Soldatenkameradschaft Brelingen
und Umgegend von 1909 e.V.

100 Jahre Soldatenkameradschaft

Aus der Chronik des preußischen Landes-Kriegervereins - "Kriegerverein Brelingen und Umgegend" ­Deutscher Reichskriegerbund (Kyffhäuserbund e.V.) - Kreisverband Burgdorf - Kriegerkameradschaft Brelingen - Soldatenkameradschaft Brelingen

Schon die Namensänderungen der heutigen Soldatenkameradschaft Brelingen lassen ahnen, welche Veränderungen sich zwischen 1909 und 2009 vollzogen haben.

100 Jahre sind gemessen an der Geschichte der Menschheit eine winzige Zeitspanne. In den zurückliegenden 100 Jahren haben sich aber die Machtverhältnisse in Europa und der Welt in nie dagewesener Weise und Vielfalt verändert.

Wenden wir unseren Blick zurück in das Jahr 1909.

Getragen von der Euphorie des gemeinsamen Triumphes im deutsch-französischen Krieg, fanden sich nach der Reichsgründung allerorten jene zusammen, die freiwillig oder unfreiwillig Teilnehmer der damaligen Auseinandersetzung zweier großer europäischer Nachbarvölker sein mussten, bzw. Soldaten, die nach dieser Zeit ihrer militärischen Dienstpflicht genügt hatten.

Diese Entwicklung der Kriegervereine bahnte sich im Deutschen Reich relativ spät an. Die ältesten Veteranenvereinigungen entstanden im 17. Jahrhundert in England, von wo aus sie nach Frankreich und später in die Vereinigten Staaten exportiert wurden. Sicher erscheint, dass derartige Verbindungen von Kriegsteilnehmern in allen Staaten heute nicht mehr Heimstätten der Kriegsverherrlichung und eines Hurrapatriotismus genannt werden können. Niemand weiß besser als die unmittelbar Beteiligten, welche Katastrophen Kriege für die gesamte Menschheit waren und sind.

Die Nachfrage nach einem Kriegerverein war, liest man das Protokoll der Gründung vom 17. Februar 1909, recht groß. Traten doch von den damals 540 Einwohnern von Brelingen 49 dem soeben aus der Taufe gehobenen "Kriegerverein Brelingen und Umgegend" bei. Zu diesen gesellten sich am Gründungstag weitere elf Mitglieder aus Negenborn und drei aus Oegenbostel.

Der erste Vorstand setzte sich wie folgt zusammen:

1. Vorsitzender:         Lehrer und Kantor Friedrich Behn

Schriftführer:            Heinrich Landers

Kassenführer:           Friedrich Müller

Beisitzer:                    Heinrich Thies, Brelingen
                                   Heinrich Biester, Negenborn
                                   Gunter Hartmann, Oegenbostel

Schon auf der nächsten Versammlung am 21. März 1909 wurde dieser Vorstand erweitert.
Zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde Heinrich Busse, zum stellvertretenden Schriftführer Heinrich Bruns und zum stellvertretenden Kassenführer Wilhelm Henke gewählt.

Die Satzungen wurden je nach Wandel der politischen Verhältnisse im Laufe der Zeit mehrmals in verschiedenen Punkten geändert. Die Genehmigung der ersten Satzung des "Kriegervereins Brelingen und Umgegend" erfolgte am 31. Juli 1909 durch den Landrat von Baumbach in Burgdorf.

Danach belief sich 1909 die Höhe des Eintrittsgeldes auf zwei Mark und die des Monatsbeitrages auf 0,20 Mark.

Der § 10 dieser Satzung bestimmt die Aufgaben des 1. Vorsitzenden. Er hat die Versammlung nach parlamentarischen Regeln zu leiten. Er ist befugt, einem Redner das Wort zu entziehen, wenn der Ruf zur Ordnung nicht beachtet wird. Er kann die Versammlung schließen, wenn die Verhandlungen einen solchen Charakter annehmen, dass sie zwecklos werden und er muss beachten, dass in den Versammlungen jede Erörterung politischer und religiöser Angelegenheiten ausgeschlossen bleibt. Ferner erteilt er dem Redner das Wort. Ohne dieses erhalten zu haben, darf kein Mitglied sprechen.

 

Auf der Quartalsversammlung am 4. Juli 1909 referierte der 1. Vorsitzende Friedrich Behn über Gründung und Zweck der Kriegervereine. Zweck derselben war nach damaliger Auffassung:

1.)              Liebe und Treue für Kaiser und Reich, Landesfürst und Vaterland zu pflegen und zu stärken.

2.)              Feier vaterländischer Gedenktage, z.B. Sedantag am 2. September, Kaisers Geburtstag am 27. Januar, Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig am 18. Oktober und Reichsgründungstag am 18. Januar.

3.)              Verstorbene mit militärischen Ehren zur Gruft zu geleiten (nach den Kabinett-Ordres vom 22. Februar 1842).

4.)              Gewährung von Beihilfen zu den Beerdigungskosten an die Hinterbliebenen, sowie Unterstützung eines Kameraden bei unvermutet eintretenden Unfällen.




Zeittypisch für das Kaiserreich sind die Vortragsthemen der Quartalsversammlungen.

 

5. September 1909:           Die Bedeutung des Sedantages

17. April 1910:                 Die beiden deutschen Helden Andreas Hofer und Jajor von Schill

3. Juli 1910:                      Napoleon warf Preußen vor 100 Jahren zu Boden. Das Leben und Wirken der Königin 
                                           Luise - ihre Verdienste um die Erneuerung Preußens (im Jahre 1910 war der
                                           100.
Todestag der preußischen Königin).

2.  April 1911:                  Die Zeit vor 40 Jahren (Reichsgründung - Frankfurter Friede)

3.  Juli 1911:                      Moderne Waffen im Seekrieg (Torpedos und Minen)

3. März 1912:                  Drahtlose Telegraphie 

14. April 1912:                Die Entwicklung der deutschen Kriegsflotte

13. Oktober 1912:           Deutschlands Knechtung durch Narpoleon I

5.  Januar 1913:               Preußens Erhebung 1813 (Konvention von Tauroggen, Bündnis von Kalisch,
                                             Aufruf 
"An mein Volk")

6.  April 1913:               Die traurigen Zustände vor 100 Jahren und die große Opferwilligkeit unserer
                                        Vorfahren in den Befreiungskriegen

 

19. Oktober 1313:       100jährige Wiederkehr der Völkerschlacht bei Leipzig "Der Tag von Sedan"

 

Folgende Feiern wurden besonders erwähnt:

 

5. September 1909:  Sedanfeier

26.              Januar 1911:  

Kaisers Geburtstag mit Tanzvergnügen, das Tanzgeld betrug 0,50 Mark,

Tanzordner werden vom Verein gestellt. Weiterhin wird im Vereinslokal eine Büste

Wilhelm II. aufgestellt.

3. September 1911:   Sedanfeier

27.              Januar 1912:   

Kaisers Geburtstag mit Tanzvergnügen, Tanzgeld eine Mark, ein Quartett des

Gesangvereins trägt patriotische Lieder vor.

28.              Januar 1913:   Kaisers Geburtstag

6. Juli 1913:    25jähriges Thronjubiläum Wilhelm II.


Veranstaltungen und Beschlüsse, die heute sonderbar anmuten:

4. Juli 1909:               Bezirkskriegertag Hannover-Nord fasst in Gifhorn den Beschluss:

"Die Mitglieder der sozialdemokratischen und welfischen Partei sind aus den

Kriegervereinen auszuschließen:"

Dieser Beschluss wurde in der Versammlung zum Sedanstag 1909 vom Kriegerverein Brelingen und Umgegend einstimmig angenommen.

Zur Fahnenweihe in Wennebostel erschienen die Mitglieder des Brelinger Kriegervereins im schwarzen Anzug, Zylinder und weißen Handschuhen.

Weitere besondere Vorkommnisse:

Am 10. Oktober 1909 wird ein Bücher- und Gewehrschrank gekauft, im Jahre 1913 nimmt der Kriegerverein Brelingen und Umgegend am 25. Stiftungsfest des Männergesangvereins Brelingen teil.

Das letzte große Ereignis vor Ausbruch des 1. Weltkrieges aus der Sicht des Vereins ist die Fahnenweihe der Brelinger Vereinsfahne am 10. und 11. Mai 1914.

 

Zur Vorgeschichte:

Die Beschaffung einer Fahne war am 7. Januar 1912 zum ersten Mal Gegenstand einer internen Erörterung. Am 6. Juli 1913 im Zusammenhang mit der Feier anlässlich des 25jährigen Thronjubiläums des Kaisers, übergaben die Kameraden Karl Schröter sen. und Ludwig Schröter jun. dem Vorstand 50 Mark zur Fahnenbeschaffung. Darauf erfolgte der einstimmige Beschluss, im Jahre 1914 eine Fahne zu kaufen. Der Preis für diese durfte bis zu 500 Mark betragen. Herr Zeidler in Hannover erhielt den Auftrag, eine entsprechende Zeichnung anfertigen zu lassen und zur Genehmigung beim Ministerium einzureichen.

Aus diesem Grunde wurde der vierteljährliche Beitrag auf eine Mark erhöht. Bevor das große Ereignis stattfinden konnte, war viel ehrenamtliche und freiwillige Arbeit zu leisten und manches persönliche Opfer zu bringen. Hierzu folgen wörtlich die Protokolle der Versammlungen am 29. März und 6. Mai 1914. Diese werden auch deshalb an dieser Stelle veröffentlicht, da sie viele Brelinger Familiennamen in Erinnerung bringen sollen.

Protokoll der Hauptversammlung des Kriegervereins Brelingen und Umgegend vom 29. März 1914:

Der Vorsitzende, Kamerad Herr Kantor Behn, eröffnet die Versammlung um 41/4 Uhr und brachte nach einer kurzen Ansprache das Kaiserhoch aus. Die Kameraden stimmten kräftig ein. Sodann wurde von den Kameraden Rechnungsprüfern berichtet, dass die Rechnung von 1913 geprüft und als richtig befunden sei. Dem Kameraden Rechnungsführer wurde hierauf Entlastung erteilt. Ferner wurden die Anmeldungen zur Fahnenweihe bekanntgegeben. Von Hänigsen und Fuhrberg sind bislang noch keine Anmeldungen eingetroffen. Es soll nochmals angefragt werden. Die Beschaffung eines Fahnenbandes soll, soweit dies nicht durch freiwillige Beiträge geschieht, aus Vereinsmitteln erfolgen. Zu Fahnenträgern werden die Kameraden Hermann Bohm und Heinrich Heuer aus Brelingen und Gustav Gosewisch aus Negenborn gewählt. Die Wahl wird angenommen. Zum Empfang der auswärtigen Vereine werden die Kameraden Ludwig Schröter, Wilhelm Schröter und Heinrich Rotermund aus Brelingen, Friedrich Möcker aus Oegenbostel, Heinrich Walter und Louis Linne aus Negenborn gewählt.

Zu Tanzordnern werden die Kameraden Heinrich Thies, Heinrich Nordmann, Heinrich Plesse, Friedrich Bohm, Friedrich Krämer und Willi Karstens gewählt. Der Kamerad Robert Dörre wird einstimmig in den Verein aufgenommen. Die Delegierten von auswärts werden vom Bahnhof Mellendorf abgeholt. Die Kameraden Heinich Thies und Heinrich Bruns sind dazu bereit. Die Fahrt wird vergütet.

Als Delegierte zum Kreiskriegertag hier und Bezirkskriegertag in Harburg werden die Kameraden Herr Kantor Behn und Herr Heinrich Busse gewählt. Die Kameraden Veteranen sollen am Fahnenweihfeste gefahren werden und erhalten jeder einen Kranz. Ferner wird beschlossen, einen Fahnenschrank auf Vereinskosten anzuschaffen. Die Kameraden Wilhelm Henke und Heinrich Biester werden mit der Ausführung betraut. Zu Herolden bei dem Umzug im Fahnenfeste werden die Kameraden Heinrich Plesse aus Brelingen und Heinrich Walter aus Negenborn bestimmt. Die Garderobe und Fahrradannahme haben die Kameraden Fritz Voltmer und Wilhelm Gähle. Die Kosten für die Musik und für die Festzelte sowie die Beköstigung der Musikanten und auch der auswärtigen Zeltarbeiter trägt der Festwirt Kareras R. Dörre.

Die nächste Hauptversammlung wird auf Sonntag, den 5. Juli, nachmittags 4 Uhr festgesetzt. v.g.u. Der Schriftführer gez. H. Landers

Protokoll der außerordentlichen Generalversammlung des Kriegervereins Brelingen und Umgegend vom 6. Mai 1914:

Der Vorsitzende, Kamerad Herr Kantor Behn, eröffnet die Versammlung um 81/2 Uhr abends. Tagesordnung: Beschlussfassung über Erweiterung der Haftpflichtversicherung des Vereins. Die Versammlung beschließt einstimmig, mit der Frankfurter Allgemeinen Haftpflicht AG eine Haftpflichtversicherung mit der Jahresprämie von 13 Mark abzuschließen.

Ferner wird der Kamerad Otto Voltmer aus Brelingen einstimmig in den Verein aufgenommen. Zur Ausschmückung der Ehrenpforten sind kleine Fähnchen und Schilde vom Verein angeschafft worden und bei Herrn G. Höper hier in Empfang zu nehmen.

Der Kamerad Hermann Bohm wird beauftragt, eine Ehrenpforte mit Bühne und eine Kanzel zum Feldgottesdienst herzustellen.

Die am 10./11. Mai 1914 geweihte Fahne erfüllte Ihren Dienst z.B. am Volkstrauertag oder bei Beerdigungen bis zum Jahr 1984 . An dieser Stelle gelte unserem verstorbenen Kameraden Ludwig Schröter unser Dank für seinen selbstlosen und tapferen Einsatz, als er die Fahne in der Besatzungszeit rettete.

Einzelheiten über die Fahnenweihe sind nicht überliefert oder festgehalten worden. Erwähnung findet nur die Tatsache, dass das Fest der Fahnenweihe mit einem finanziellen Defizit abgeschlossen wurde. 915,25 Mark Einnahmen standen 1.041,25 Mark Ausgaben gegenüber.

Am 1. August befand sich das Reich im Kriegszustand mit Russland, am 3. August mit Frankreich und am 4. August 1914 mit England. Die Würfel waren gefallen. Die erste Versammlung nach dem verlorenen Krieg war am 5. Januar 1919. Kamerad Pastor Meyer referierte auf der Versammlung zum Thema "Politische Lage". Weitere Aufzeichnungen liegen lückenlos bis zum 15. Januar 1933 vor. Es fehlen die Protokolle zwischen 1933 und 1936, von 1937 bis 1945 existieren keine schriftlichen Unterlagen.

Die Neugründung erfolgte am 23. Februar 1958 in Hemmes Gasthaus in Brelingen. Die Vorsitzenden:

 

1909 -1923:

1923 - 1924:

1925 -1940:

1958 -1976:

1976 -1980:

1980 - 1982:

1982 - 1991:

1991 - 2001:

2001 - 2005:

2005-2012:

seit 2012:      Karsten Brandt